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Mit dem Fahrrad auf dem Jakobsweg – Alles was du wissen musst

Mit dem Fahrrad von Sevilla nach Santiago de Compostela

Hitze, blauer Himmel und vor uns ein kilometerlanger Jakobsweg. Meine Beine brennen. Der Fahrtwind bläst mir entgegen und kühlt den Schweiß auf der Haut. Um mich herum nichts als Felder. Mit jedem Kilometer den ich fahre kann ich mehr abschalten. Der Jakobsweg ist voller Gegensätze und in jeder Hinsicht intensiv.

Vor mir erblicke ich die ersten Häuser von Santiago de Compostela. Zivilisation. Kopfsteinpflaster und Gässchen. Dann Cafés, und Hotels. Pilger und Schulkinder die auf dem weg nach Hause sind. Noch wenige Meter und wir erreichen den Platz vor der Kathedrale. Wir setzen uns auf das Kopfsteinpflaster des Plaza del Obradoiro und kommen an.

Im Mai waren mein Freund und ich mit dem Fahrrad für 10 Tage auf dem Jakobsweg Via de la Plata und Camino Sanabrés von Sevilla über Santiago de Compostela bis zum Kap Finisterre unterwegs.  

In diesem Artikel findest Du alles, was Du für deine Fahrradreise auf dem Jakosweg wissen musst.

 

Allgemeine Infos: Via de la Plata und Camino Sanabrés 

Der Jakobsweg ist der bekannteste Pilgerweg der Welt. Meist spricht man von „dem einen“ Jakobsweg. Tatsächlich gibt es jedoch ein weit verzweigtes Wegenetz, das quer durch Europa verläuft. Das gemeinsame Ziel aller ist Santiago de Compostela. Genauer gesagt, die Kathedrale in der der Heilige Sankt Jakobus begraben liegen soll. Im letzten Jahr wurde sie von knapp 280.000 Pilgern aus aller Welt besucht.*

Während der Camino Francés der bekannteste aller Jakobswege ist,  ist die Via de la Plata der längste und besonders für Radfahrer attraktiv: Der Weg ist wenig bevölkert und (meist) fahrradfreundlich ausgebaut. Außerdem durchquert man auf dem gut ausgeschilderten Weg die spanischen Regionen Andalusien, die Extremadura, Kastilien-Léon und Galicien.

Die Via de la Plata (=Silberstraße) verläuft 970 km von Sevilla nach Astorga. Bereits vor 2000 Jahren begann man mit dem Bau des Weges um Waren und Truppen transportieren zu können.

Am Ende zweigt der Weg in den Camino Sanabrés nach Santiago de Compostela ab.

 

Wie anspruchsvoll ist der Weg von Sevilla nach Santiago?

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Man muss kein Supersportler sein um den Jakobsweg mit dem Fahrrad zu bezwingen. Eine Grundfitness an Ausdauer ist jedoch von Vorteil: Wer 2 Stunden am Stück im Sattel sitzen kann, sollte die Tour ohne Problem schaffen. Es gibt ein paar wenige Steigungen, auf denen man selbst mit einem guten Mountainbike absteigen und schieben muss.

Wer die 980 km lange Tour von Sevilla nach Santiago de Compostela komplett mit dem Rad fahren will, sollte je nach Fitness 12 bis 16 Tage einplanen (plus Pausetage).

 

 

Routenempfehlung

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Da wir nur zwei Wochen Urlaub haben, legen wir nur einen Teil des Jakobsweg mit dem Fahrrad zurück und überspringen zwischendrin ein paar Etappen indem wir zweimal den Bus nehmen. Was nicht weiter schlimm ist, denn auch vom Bus aus ist die Landschaft atemberaubend.

Die folgende Etappen-Empfehlung ist deshalb für 10 Reisetage ausgelegt, inkl. zwei Busetappen: Die Route folgt der Via de la Plata für 640 km und mündet bei Granja de Moreruela (nördlich der Stadt Zamora) in den Camino Sanabrés. Von dort sind es weitere 340 km nach Santiago de Compostela.

So umgeht man die letzten Kilometer bis nach Santiago auf dem touristische Camino Francés. Durch die Beschleunigung mit dem Bus hat man zudem Zeit die sehenswerten Ortschaften auf dem Weg zu erkunden.

Der Jakobsweg ist dank der gelben Pfeile gut ausgeschildert, sodass man sich kaum verfahren kann. Auch die Einheimischen helfen weiter, wenn sie (Fahrrad-)Pilger auf dem Holzweg entdecken.

 

Beste Reisezeit

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Die beste Reisezeit um mit dem Fahrrad von Sevilla nach Santiago zu radeln ist im Frühjahr (März-Juni) und im Herbst (September-August). Mai ist der beliebteste Reisemonat. Die Karwoche sollte man jedoch meiden, da hier auch viele Spanier auf dem Jakobsweg unterwegs sind und die Unterkünfte oft ausgebucht sind.

Da man praktisch einmal von Süd- nach Nordspanien radelt, gibt es teils große Temperaturunterschiede. So ist es in Andalusien und in der Extremadura tendenziell wärmer als in Galizien und Kastilien.

Tipp: An heißen Tagen nicht in der Mittagshitze radeln. Das raubt Energie und man kommt kaum voran. Lieber wie die Einheimischen ein paar Stunden Siesta im Schatten machen und am Abend weiter fahren. Gerade in den Frühlings- und Sommermonaten ist es dafür auch bis 22.00 Uhr hell.

 

Ausrüstung & Packliste

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  • Fahrradkarte/ Handy-App, z.B. die App Galileo (mehr dazu im letzten Absatz)
  • Trekkingbike & Satteltaschen (…haben wir bereits vor der Reise bei der kleinen Firma Tournride von Deutschland aus gebucht. Tournride sendet die bikes per Post an den gewünschten Startpunkt. Abgeben kann man die Räder dann in Santiago de Compostela im Shop. Wegen der einfachen und bequemen Abwicklung kann ich diese Variante nur empfehlen.)
  • Fahrradhelm (in Spanien herrscht Helmpflicht)
  • Regencape
  • Hygieneartikel (weniger ist mehr)
  • Sonnencreme, Sonnenbrille
  • 2L Trinkflasche & Energiesnacks
  • etwas Wechselwäsche (Bei mir hat sich die „3-T-Shirt-Stretegie“ bewährt: 1 T-Shirt zum Radeln, 1 für den Abend nach der Dusche, 1 als Ersatz)

 

Unterkünfte

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Die Unterkünfte entlang der via de la Plata sind recht günstig (im Durchschnitt ca. 30€ für ein Doppelzimmer in einer Pension), deshalb empfehle ich die Campingsachen  zu Hause lassen. Spätestens bei der ersten Steigung ist man um jedes Gramm froh, dass man nicht dabei hat. Zudem sind die spanischen Campinganlagen teils relativ „einfach“ gehalten.)

In kleinen Ortschaften gibt es oft nur wenige Pensionen. Dennoch haben wir kein Problem auch spät abends noch einen Schlafplatz zu finden. Wem dies dennoch zu unsicher ist, besorgt vor der Reise einfach einen Pilgerpass und kann somit gegen ein geringes Entgelt jederzeit in den kirchlichen Herbergen übernachten.

Wer Campen will: Oft darf man im Garten der Herbergen umsonst übernachten. Zudem gibt es genug Campingplätze, deren Hygieneniveau jedoch oftmals vom deutschen Standart abweicht. Wildcampen ist in Spanien (zumindest offiziell) verboten.

 

Kosten

via_de_la_plataSpanien ist ein Land in dem man günstig reisen kann. In großen Städten zahlt man für Übernachtung und Essen zwar etwas mehr als in kleinen Dörfern, aber auch hier bekommen wir in einer Tapas Bars für 7,00€ Abendessen inkl. Getränke.

Hin- und Rückflug kosten inkl. 1 Gepäckstück pro Person 185€. (Hinflug mit Transavia: München – Sevilla // Rückflug mit Iberia: Santiago – Madrid – München). Die günstigsten Flugverbindungen findest du auf momondo.

Die Trekkingräder mit je zwei Satteltaschen, einer Lenkertasche und Reparaturwerkzeug leihen wir uns für je 300€ bei der kleinen Firma tournride. Der Vorteil: Die bikes werden direkt zum Wunschort geschickt. 

Die Unterbringung in Pensionen liegt in den Dörfern entlang der via de la Plata bei ca. 25 – 35€ für zwei Personen. In Santiago zahlt man etwas mehr.

 

Verpflegung

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Generell bekommt man in jedem noch so kleinen Ort etwas zu Essen: Ob Supermarkt, Obststand (mit frischen lokale Früchten), Café oder Tapas Bar (und davon gibt es viele!). Zum Frühstück gibt es oft nur eine Kleinigkeit: Milchkaffee (café con leche) mit Gebäck oder Toast. Mittags bekommt man in vielen Ortschaften entlang des Jakobswegs ein traditionelles 3-gängiges Menu angeboten. Wer mittags leichter essen möchte findet auch belegte Brötchen (Bocadillos). Das späte Abendessen nimmt man gerne in Tapas Bars zu sich. Die kleinen Mahlzeiten sind leider oft etwas fettig und sehr Fleisch-/ Fisch-lastig.

Tipp: Unbedingt Churros probieren. Das frittierte Spritzgebäck ist eine iberische Spezialität. Sie ähnelt dem Krapfen und wird in dickflüssige Schokolade getaucht gerne auch mal zum Frühstück gegessen. (Eine kleine Portion sollte jedoch ausreichen…)

 

Etappen 

Tag 1: Sevilla – Almadén de la Plata (68,5 km)

über Guillena, Santiponce, Castilblanco de los Arroyos

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Mit dem Flugzeug geht es von München zum Startpunkt Sevilla. Hier beginnt die Reise nach Santiago auf dem Jakobsweg Via de la Plata.

Nach einem Tag Sightseeing in in Sevilla starten wir Richtung Norden. Über den Gio Gualalquivir Fluss geht es durch Gässchen und Straßen zu den Vororten von Sevilla. Landschaftlich kein Highlight. Ein großes Schild kündigt nach 22 km dafür den Beginn des „echten“ Jakobswegs an. Wir verlassen die befahrenen Straßen und biegen auf einen Feldweg ab. Wir passieren einige wenige Pilger. Unsere Route führt durch kleine Dörfer, Felder und vorbei an Olivenhainen. Es geht im Wechsel leicht bergauf und bergab, vorbei an Kühen und nach einem letzten Berg erreichen wir gegen Abend schließlich Almadén de la Plata. 

Unterkunft in Sevilla: Sevilla Samay Hostel (günstig, zentral gelegenes Hostel inkl. Frühstück und Dachterrasse, nettes Personal)

Hotspot in Sevilla: Abendessen oder Drinks im Mercado Lonja Del Barranco direkt am Kanal (diverse Stände mit Tapas, Säften, Fisch, Pasta, …) und herrlichem Blick aufs Wasser.

Unterkunft in Almadén de la Plata: Casa Concha (einfache aber saubere Pension, Doppelzimmer ca. 28€) 

 

Tag 2: Almadén de la Plata – Monesterio (44,3 km)

über El Real de la Jara, Santa Olalla

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Wir starten um 9.00 Uhr morgens. Vorbei an der Sierkampfarena radeln wir bergab aus dem Ort hinaus. Über eine Landstraße folgen wir dem hügeligen Weg und beschließen einen Umweg zum kleinen Dorf Santa Olalla del Cala zu machen. Wir passieren schwarze Schweine und Bauernhöfen. In einem Olivenhain finden wir eine ausgeschilderte Wasserstelle und füllen unsere Flaschen auf. Mittlerweile haben wir Andalusien verlassen und sind in der Extremadura. Wie das Wort schon sagt ist die Landschaft verglichen mit Andalusien „extrem“ und „hart“. Die Region ist dünn besiedelt, dafür umso ursprünglicher. In Monesteria, der heimlichen Hauptstadt des iberischen Schinkens, werden wir mit einer übergroßen Schinken-Skulptur begrüßt. 

Unterkunft in Monesterio: Camping Tentudia (Zeltplatz oder Bungalow, Frühstück möglich, der Pool war leider geschlossen) 

 

Tag 3: Monesterio – Zafra (45,8 km)

über Fuente de Cantos, Puebla de Sancho Pérez

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Am nächsten Morgen führt der Weg steil bergauf, dafür werden wir mit einem tollen Ausblick über die Felder und Wälder belohnt. Über Feldwege und durch Eichenwälder geht es weiter, vorbei an Bauernhöfe und durch kleine Orte in denen wir Pause machen um einen Kaffee oder ein Bocadillo zu kaufen. Am frühen Abend kommen wir ins Zafra an. Der Ort ist einer der ältesten und traditionsreichsten in der Extremadura. Tipp: Nachtspaziergang durch Zafra vorbei an den Bars und der beleuchteten schönen Plätzen.

Unterkunft in Zafra: Hotel Las Palmeras (wie der Name schon sagt, ist das Hotel eine grüne Oase und deshalb besonders beliebt, am besten vorher reservieren)

 

Tag 4: Zafra – Mérida (62,4 km)

über Los Santos de Maimona, Villafranca de los Barros, Torremejía

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Mit der vierten Etappe auf der Via de la Plata kommt der Regen. Das erste Mal seit unserer Ankunft in Spanien. Das Wasser hat die Feldwege aufgeweicht, so dass wir auf unseren Trekkingrädern nur mühsam voran kommen. Deshalb verlassen wir den Jakobsweg und fahren lieber ein Stück auf der wenig befahrenen Nationalstraße N-630, die parallel zum Jakobsweg nach Santiago verläuft.

Zurück auf den Feldwegen passieren wir schwarze Schweine und einige Höfe. Vor Mérida geht es noch einmal steil bergauf. Froh dem Regen entfliehen zu können erreichen wir die Stadt. Damals war Mérida eine der wichtigsten Städte des Römischen Reiches und ist deshalb noch immer reich an römischer Architektur. 

Mit Blick auf unseren Rückflug buchen wir noch am selben Abend zwei Tickets für einen Bus nach Salamanca für den nächsten Morgen.

Unterkunft in Mérida: Hotel Rambla Emerita (zentral gelegenes, gemütliches Hotel)

Highlight in Mérida:  Theater und Amphitheater (eine der schönsten römischen Anlagen Spaniens)

 

Tag 5: Mérida – Salamanca (per Bus)

über Cáceres, Tajo Stausee, Galisteo

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Direkt gegenüber dem Hotel Rambla Emerita liegt eine kleine Bäckerei in der wir einen herrlichen Café con leche und Toast frühstücken. Am Busbahnhof demontieren wir die Räder und verpacken alles in schwarze Müllsäcke (Vorschrift der Busgesellschaft).

Die Fahrt nach Salamanca vergeht wie im Flug. Dank (streckenweise) lohnenswerter Aussicht und Onboard Entertainment.

In Salamanca bietet es sich an einen Pausetag einzulegen, denn die Stadt hat viele wunderbare Ecken. Zu Fuß kann man die Stadt am besten erkunden: Die alte und neue Kathedrale, das Muschelhaus (Casa de las Conchas), die Universität (mit Frosch im Mauerwerk), den Plaza Mayor und vieles mehr.

Unterkunft in Salamanca: Hostal Conjeco direkt am Plaza de la Libertad und nur 1 Min. vom Plaza Mayor entfernt

Hotspot in Salamanca: Alte und Neue Kathedrale besichtigen: Hier erwarten einen keine alten Mauern, sondern erlebbar gemachte Geschichte. Da die romanischen bzw. Renaissance/Barock-Kirchenbauten direkt nebeneinander lieben, kann man mit einem Ticket beide besuchen, Blick über Salamanca inklusive!

 

Tag 6: Salamanca – Zamora (68 km)

über Calzada de Valdunciel, El Cubo de la Tierra del Vino, Villanueva de Campeán

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Am nächsten Morgen verlassen wir Salamanca nach Norden. Der Weg nach Zamora ist karg und führt überwiegend geradeaus. Über Feldwege und Schotterpisten und vorbei an Weinreben erreicht man die mittelalterliche, hügelige Stadt. Moderne Läden reihen sich an romanische Bauten. Auch in Zamora lohnt es sich einen Tag Pause zu machen. Kleine Bars und wildromantische Wege entlang des Flusses Duero laden zum Verweilen ein.

Unterkunft in Zamora: Hotel Trefacio (zentral gelegen, Frühstück möglich)

Hotspot in Zamora: Bar El Lobo: Der Inhaber nennt sich „El Rey de los Pinchitos“ (König der „Spieschen“). Besser als die Kebab und Chorizo Spieße die dort angeboten werden, ist allerdings die einmalig Atmosphäre in der kleinen, typisch spanischen Bar.

 

Tag 7: Zamora – Ourense (per Bus)

über La BanSeza, Astorga

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Mit Blick auf den Rückflug nehmen wir heute erneut den Bus. Gut 260 km fahren wir von Zamora nach Ourense und überqueren dabei die steilsten und anstrengendsten Abschnitte der Via de la Plata. Wir verlassen die Region Kastilien-León und erreichen Spaniens nördlichste Region Galicien.

Trotz über 100.000 Einwohnern schafft die Stadt Ourense einen einzigartigen Flair indem sie Moderne und antike Gebäude charmant kombiniert. Bis spät in die Nacht laden kultig-romantische Plätze und Cafés zum Entspannen ein. 

Unterkunft in Ourense: Hotel Miño (zentral gelegen, inkl. Frühstück)

Hotspot in  Ourense: Heiße Thermalquellen die schon die Römer zu ihrer Zeit zu schätzen wussten (ca. 4 km nordwestlich von Ourense)

 

Tag 8: Ourense – Silleda (65,2 km)

über Cea, Castro Dozón, Lalín-Bendoire-Laxe, Trasfontao

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 Der Weg nach Silleda zieht sich, denn es geht steil bergauf. Streckenweise müssen wir die Fahrräder schieben. Um uns herum wird es grüner. Wir durchqueren duftende Eukalyptus Wäldchen, fahren über felsige Trampelpfade und müssen schließlich unsere Räder durch dichtes Gestrüpp schieben. Erst am späten Abend erreichen wir Silleda.

 Unterkunft in Silleda: Albergue Tourístico Silleda (sehr einfache aber günstige Unterkunft mit Bad auf dem Gang, inkl. Frühstück in der dazugehörigen Bar)

 

Tag 9: Silleda – Santiago de Compostela (41,4 km)

über Bandeira, San Martín de Donelas, Ponte Ulla, Outeiri/ A Vedra

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Die letzte Etappe nach Santiago führt mal bergab, mal geradeaus. Wir durchqueren Landschaften die aussehen als ob die Zeit stehengeblieben ist, als die Felder noch per Hand bewirtschaftet wurden. Das Ziel schon in Reichweite, fahren wir die letzten Kilometer nach Santiago de Compostela im Turbospeed.  

Noch eine Eisenbahnbrücke, ein Hügel und wir haben es geschafft. Über Kopfsteinpflaster geht es mitten in das Gewimmel aus Pilgern und Verkaufsständen zum Plaza del Obradoiro vor der Kathedrale, dem Ziel eines jeden Pilgers. Auch wenn wir die Fahrradreise nicht aus religiösen Gründen angetreten sind, sondern aus Lust an schönen Radstrecken ist die Ankunft auf dem Platz ein schöner Abschluss. Wir geben unsere Fahrräder zurück, bummeln von einem Café zum nächsten, stoppen in einer Tapas Bar, kaufen Mitbringsel und legen die Beine hoch. 

Es bietet sich an einen Tag in der Hauptstadt Galiciens zu verweilen. Trotz vieler Pilger und Touristen ist die Stadt mit ihren kleinen Gässchen, Cafés und Baudenkmälern sehenswert.

Wer weiter zum inoffiziellen Ende des Jakobswegs möchte, dem Kap Finisterre, kann am Busbahnhof in Santiago ein Busticket  buchen. 

Unterkunft in Santiago: O Codice (moderne Pensio nur 300m von der Kathedrale entfernt mitten in der Fußgängerzone, netter Gastgeber)

Hotspots in Santiago: Café Tertulia (Studenten-Café das mit Herz und Seele geführt wird. Günstige vegane und nicht-vegane Köstlichkeiten. Herzliche Bedienungen und super gemütlicher Flair.) Bar La Tita (leider kein Geheimtipp mehr aber ein must-go: Zu jedem Getränk gibt es hausgemachte Tortilla dazu. Wichtig: Nicht einfach hinsetzen, sondern bei den Kellnern auf die „Liste“ setzen lassen. Dann geht es ganz schnell mit dem Sitzplatz. In der Zwischenzeit ein Bier mit Tortilla an der Bar genießen.)

Mitbringsel: Tarta de almendra (Mandelkuchen mit Jakobskreuz), Chorizos (lokal produzierte Schweinewürste)

 

Tag 10: Santiago de Compostela – Fisterra am Kap Finisterre (per Bus)

über Noia, Cee

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Nach unserem Pausetag in Santiago entfliehen wir den Touristenschwärmen und nehmen den Bus nach Fisterra, dem eigentlichen Ende des Jakobswegs.

Mit dem Bus ist man in 2 Stunden in Noia, dem ersten der Küstenorte. Über kleine Dörfer geht es eine weiter Stunde am Wasser entlang bis nach Fisterra. Der Ort ist deutlich kleiner und ruhier, aber nicht weniger charmant als Santiago de Compostela. 

Zu Fuß erreicht man in einer Stunde den Leuchtturm und die Felsen am Kap Finisterre. Die Reise zum „Ende der Welt“ kann ich nur empfehlen. Nicht nur Pilger schätzen den Ort als Endziel ihrer Wallfahrt. Hier ist es deutlich ruhiger als in Santiago de Compostela. Mit der felsig-grünen Landschaft und dem schier nicht enden wollenden Meer herrscht an diesem Ort eine besondere Stimmung.

Unterkunft in Fisterra: Hotel Rusticó (traumhaftes Hotel im Landhausstil mit herrlichem Frühstücksbuffet und Aussicht aufs Meer)

Hotspot in Fisterra: das von einer deutschen Dame im Indien-Hippie-Stil geführte Café Bar La Frontera am Hafen von Fisterra. Dort wird auch bunte Sommerkleidung verkauft. 

 

Spanische Besonderheiten & die besten Tipps

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  1. Busfahren in Spanien: …muss geplant sein!
    Haltestellen sind nicht auf den ersten Blick ersichtlich, von Busfahrplänen ganz zu schweigen. Am besten ist es deshalb größere Städte mit dem Bus anzufahren und die Reise vorher im Internet zu buchen. Dafür sind die Busse meist mit Wlan und On-Board Entertainment gut ausgestattet. Fahrräder müssen vor Reiseantritt auseinander gebaut und in (Müll-)Beuteln verstaut werden. Alle Verbindungen findest du auf der Website rome2rio. Ticketbuchung an den Busbahnhöfen oder direkt auf der Website des spanischen Busunternehmens ALSA.
  2. Reiseführer: Spanien: Jakobsweg – Via de la Plata: Der Weg ist das Ziel (Outdoor Verlag).
    Alle wichtigen Infos zur Strecke von Sevilla nach Santiago de Compostela. Auch für Radfahrer geeignet.
  3. Kartenmaterial/ Navigations-App: Wir haben für unsere Reise die App Galileo verwendet. Man kann die notwendigen Karten einfach herunterladen und offline verwenden. Außerdem können GPX Daten, die für viele Rad- und Wanderwege kostenlos online verfügbar sind in die App importiert werden. So hat man die Karte immer dabei und kann sich eigentlich gar nicht verfahren oder verlaufen.
    Die GPX Daten für unsere Radtour auf dem Jakobsweg von Sevilla nach Santiago de Compostela kannst du hier kostenlos herunterladen
  4. Siesta: Lieber ein paar Kilometer weniger fahren als jeden Tag bis zur Erschöpfung radeln. So hat man mehr vom Weg und der schönen Umgebung und freut sich auf den nächsten Tag im Sattel. Gerade zur Mittagszeit sollte man die Sonne meiden und lieber Siesta halten.
  5. Zeitverschiebung: Zwar gibt es in Spanien keine offizielle Zeitverschiebung, dennoch hinkt die spanische Sonnenzeit der deutschen zwei Stunden hinterher. Deshalb findest alles vom Frühstück bis zum Abendessen etwas zeitversetzt statt. 
  6. Smile & be open! In Spanien herrscht eine offene und „outgoing“ Lebenskultur. Je mehr man versteht, desto besser kann man sich integrieren. Doch selbst ein paar Wörter Spanisch reichen aus um sich mit Hilfe von Händen und Füßen (und Englisch) mit den Einheimischen unterhalten zu können und Land, Leute und Kultur ein kleines bisschen besser kennenzulernen.

*** Wenn dir Spanienreise zu weit ist, ist eine Alpenüberquerung mit dem Fahrrad eine gute Alternative. ***