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Was mir 6 Monate Sabbatical gebracht haben

Die erste Frage, wenn man bekannt gibt für 6 Monate nicht zu arbeiten und sich ins Sabbatical zu verabschieden ist für gewöhnlich: „Und was machst du?“ 

 

Pläne für mein Sabbatical – Fastenzeit

Auch wenn die Frage meist aus positiven Interesse gestellt wurde, ertappte ich mich dabei, dass ich meinem Gegenüber unterstellte als Antwort „the next big thing“ zu erwarten. Eine Atlantiküberquerung oder den Aufbau einer Schule in Kenia.

Tatsächlich habe ich mich entschieden, unabhängig davon was man von mir erwartete (oder nicht erwartete), genau das Gegenteil von dem zu tun, was ich normal tun würde. Für mich hieß das konkret: Nichts planen.

Ich wusste, dass ich viel zu viele Ideen und Pläne für das Sabbatical hatte um mich festlegen zu können. Ich wollte alles ausprobieren. Wie in einem Süßigkeitenladen oder in einer Tapas Bar von allem ein bisschen: professioneller Kuchenbäcker werden, wieder malen und illustrieren, schreiben und Kunstgeschichte studieren, mit Bären durch Amerika wandern und Yogalehrer werden.

Und so plante ich für mein Sabbatical weder eine Weltreise noch buchte ich einen Flug auf die Osterinseln.

Das einzige was ich organisierte, war eine 3-wöchige Fastenkur im Fränkischen Nirgendwo. Als Kickstart sozusagen.

 

Sabbatical

 

Dort saß ich nun. In Bad Bocklet, Oberfranken Outback. Um mich herum nicht außer Wiesen und Wälder.

Drei Wochen Langeweile. Das Wort Langeweile besteht aus „lang“ und „Weile“, hat also durchaus etwas Positives.

Zeit ist das Wichtigste was wir haben. Wieso geben wir uns der Zeit nicht immer mal wieder hin und feiern sie in Form von Langweile, verleihen ihr Wertschätzung durch Langsamkeit? Selbst die wichtigsten Güter die wir besitzen (1. Liebe, 2. Gesundheit), bedeuten nichts ohne die Zeit.

 

 

Trotzdem: Warum 3 Wochen am Ende der Welt verbringen? Ohne richtiges Essen? Sicher gibt es andere Möglichkeiten sich zu langweilen. Günstigere und Angenehmere.

 

In Einklang mit den eigenen Bedürfnissen kommen  

Doch schauen wir uns unser Leben an. Ist es nicht eigentlich perfekt?

Unsere Grundbedürfnisse sind abgedeckt, wir werden geliebt, haben Arbeit, werden nicht verfolgt und sind gesund (selbst mit Typ 1 Diabetes).

Doch selbst bei einem perfekt anmutenden Leben ertappen wir uns immer wieder dabei, wie wir unsere Aufmerksamkeit auf die Dinge zu lenken, die eben nicht gut genug scheinen. Wir wollen eine größere Wohnung, weniger wiegen, mehr reisen und schauen mit Neid auf die Freundin die schon wieder Urlaub in Thailand macht, oder auf den Bekannten, der gerade den Regenwald rettet. Das wollen wir auch.

Glück ist kein Dauerzustand.

Nun kann man sich entweder anstrengen und all die Dinge, die im Leben nicht perfekt scheinen versuchen zu ändern. Wobei zwangsläufig andere Dinge die wir schätzen auf der Strecke bleiben.

Oder man übt Verzicht und tritt aus dem vertrauten Leben heraus, lebt ohne den gewohnten Komfort. Das kann ein Klosteraufenthalt sein, eine Pilgerreise oder eben Fasten.

Dadurch gewinnen wir Abstand zu unserem Alltag , werden wieder objektiv und sehen das große Ganze. Dinge die uns dann immer noch missfallen können wir nun ändern.

Ich persönlich habe diese Erfahrung beim Fasten auf dem Land gemacht, fernab vom Alltag.

Die Erfahrung habe ich beim Verzicht auf Nahrung erlebt, und auch im Hinblick auf soziale Kontakte, Medieninformationen, Zeitgeschehen. Anfangs hatte ich das Gefühl etwas zu verpassen. Nach ein paar Tagen ist diese innere Unruhe jedoch dem Zustand der Zufriedenheit gewichen. Ich bin wieder in Kontakt mit meinem Inneren gekommen. 

 

 

Nach ein paar Tagen in Bad Bocklet flog mir die Ruhe um die Ohren.

Durch Zufall entdeckte ich im Diabetes Journal eine Suchanzeige für Redakteure einer Online-Plattform für Diabetiker. Ich meldete mich dort und bekam am selben Tag einen Vertrag zugeschickt. Auf sechs Monate begrenzt und zeitlich flexibel.

Zudem bekam ich eine Anfrage, einen Gedichtband einer kleine Dichtergruppe zu illustrieren.

Dann entstand der Kontakt zu einer Stiftung, die sich dem Ziel der „Sinngebung“ verschrieben hatte. Auch hier soll sich Anfang des neuen Jahres eine Zusammenarbeit ergeben. Austausch wie zu Zeiten Goethes, als man studierte um des Studierens Willen, oder wie in den Goldenen Zwanzigern, als Künstler und Schriftsteller den Austausch regelmäßig pflegten und sich gegenseitig inspirierten (so stelle ich es mir zumindest vor).

Wenn der Geist erstmal wach und frei ist von den täglichen (un-)gewollten Einflüssen, kommen Tatendrang und Kreativität wie von selbst.

 

Fazit der ersten Sabbatical-Wochen

Was haben mir die ersten Wochen ohne Job und üblichem Alltag also gebracht?

Vertrauen in mich und meine Fähigkeiten. Geduld. Zuversicht, dass alles so kommt wie es kommen muss. Ruhe vom alltäglichen Vergleichen und „Streben nach mehr“. Gelassenheit. Selbstliebe. Und neue Möglichkeiten. Und das ist erst der Anfang. 

 

*** Ist ein Sabbatical vielleicht auch was für dich? ***

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